Es ist 8:15. Einige verschlafene Kunden zwischen den geschäftigen Mitarbeitern, die Regale einordnen. Die gegenseitige Wahrnehmung beschränkt sich auf Ausweichmanöver. Die Filiale wurde gerade frisch renoviert und erstrahlt in neuem Glanz. Rundum modernisiert, aber der Kassenbereich bleibt wie gewohnt. Wäre es technisch nicht längst machbar, dass wir unsere Einkäufe auf das Förderband legen und ein automatischer Scanner alle Produkte erfasst? Bezahlt wird ohnehin schon meist mit Karte. Was rechtfertigt eigentlich noch den Job der KassiererInnen? Ist er nicht längst wegzurationalisieren?
Genauso wie der Arbeitsplatz vieler, die täglich beim Arbeitsmarktservice ein und ausgehen. Vor allem Menschen, die über 50 Jahre alt sind und bereits länger als 12 Monate arbeitslos sind, tun sich besonders schwer zurückzufinden. Spätestens dann verlieren sie oft auch das Vertrauen in sich selbst und das Bewusstsein in ihre persönlichen Stärken. Genau hier setzt das Projekt Selbst&Wert an. In einem – vom AMS geförderten – Prozess werden genau jene Menschen dabei unterstützt, ihre Berufung zu finden, ein sinnvolle Aufgabe, die jeden Menschen einzigartig und besonders macht. Dieses Frühjahr geht das Projekt in die zweite Runde. Siehe www.selbstundwert.org.
Ich lege meine Waren auf das Förderband und grüße. Die Kassiererin schaut mir kurz in die Augen und erwidert meinen Gruß mit einem strahlenden Lächeln. Für einen Moment bleibt die Zeit stehen. Von Roman Braun las ich “Wir leben in einer Welt, die durch unsere Begegnungen entsteht”. Ich lächle zurück und eine Welt entsteht. Ich zahle und denke mir, schön, dass es im Supermarkt auch Menschen gibt.

