
Ostern bei der Familie. Weihfleisch essen, südoststeirischen Wein schlürfen. Seit ein paar Achterln schon über den Durst. Ein Flugblatt über den geplanten Baustart der Schnellstraße S7 entfacht eine hitzige Diskussion. Anstehende Umweltverträglichkeitsprüfung. Geplanter Baubeginn 2010. Dann mit 100 (oder 130?) direkt von der A2 über den Grenzübergang Heiligenkreuz nach Ungarn. Quer durch Lafnitz- und Feistritztal. Feuchtgebiete. Zur Entlastung der Ortsdurchfahrten. Berufsvekehr, Güterverkehr, Urlauberverkehr: Ungarn-Österreich, Österreich-Ungarn, Rumänien-Österreich, Österreich-Rumänien.
Die Menschen leiden unter der Verkehrslawine direkt am Küchenfenster vorbei. Sicher, Naturschutzgebiete, Artenvielfalt. Naja, wird’s halt einen Frosch weniger geben. Aber der soziale Faktor! Die armen Rudersdorfer, Großwilfersdorfer, Fürstenfelder! Endlich Ruhe!
Ruhe an einer Schnellstraße? Mehr Verkehrsfläche – (noch) mehr Verkehr. Verlagerung der örtlichen Belastung in den Osten. Feinstaub. Tankstellen. Raststätten. Eine kurzfristig gedachte, im besten Fall Übergangs”lösung”. Langfristig, mindestens parallel dazu den Ursachen der Problematik, nicht den Symptomen derselben begegnen. Sozialer Faktor, ja. Aber auch in Ungarn, in Rumänien. Bedingungen schaffen, die nicht mehr zum Pendeln nach Österreich zwingen um die Familie daheim ernähren zu können. Güterverkehr auf die Schiene. Neue, öffentliche, nachhaltige Verkehrskonzepte, mit denen nicht nur den Rudersdorfern geholfen ist.
Was das kostet! Und das geht halt nicht von heute auf morgen.
Die S7 – ohne Zweifel eine schnelle Maßnahme. Schnell im Sinne von schnell umsetzbar, schnell (regionale) Wirkung zeigend, aber auch schnell im Sinne von beschleunigend: die Verkehrsentwicklung, die Lärmbelastung, die Versiegelung, die Zerstörung der Feuchtgebiete, das Leben in der Region insgesamt.
Die Lebensqualität der Rudersdorfer wird enorm ansteigen. Die haben dann ihre Ruhe. An die Leute denken. Wie willst denn das machen? Was sollen wir denn in Rumänien ausrichten können?
Oje. Mir geht die Luft aus. Ich gebe für heute w.o. und gehe schlafen.
Osterfriede erst am nächsten Morgen wieder. Allerdings verkatert, mit dem bitteren Nachgeschmack des Versagens und einem zermürbenden Gefühl von Hilflosigkeit in der Magengegend.
Die armen Rudersdorfer.
Die armen Frösche.
Die armen Rumänen.
Arme Steffi – arm an Überzeugungskraft, reich an Visionen.
Visionen???


