
Der deutsche Verband der Automobilindustrie hat festgestellt, dass ein beträchtlicher Anteil der Autoflotte Benzin mit einem höheren Ethanolanteil nicht verkraftet. Konkret: Die von der Politik vorgeschriebenen zehn Prozent Ethanol im Sprit zersetzen Aluminium und Kunststoff, die meisten älteren Automodelle sind dem nicht gewachsen. Was damit auch die politischen Ziele zersetzt – Österreich und Deutschland überdenken die Vorgaben – zeigt eines: Eine vermeintlich gute Lösung kann leicht nach hinten losgehen, wenn man nur in eine Richtung denkt.
Im Prinzip klingt das Vorhaben ja gut: Treibstoff aus der Landwirtschaft reduziert die Kohlendioxidemissionen und schließt den Kohlenstoffkreislauf. Mit der Vorschreibung ambitionierter Ziele zeigen sich aber auch die Nachteile: Die Preise für Lebensmittel steigen und Biotreibstoff- aber auch Biogasproduzenten haben nun Probleme, ihre Anlagen wirtschaftlich zu betreiben, weil man bei der Planung die Preissteigerung der Rohstoffe unterschätzt hat. Im Mexiko protestierten die Menschen gegen die hohen Maispreise. Da zur Gewinnung von Anbauflächen Regenwald abgeholzt wird, ist sogar Greenpeace gegen den verstärkten Einsatz der Biokraftstoffe.
Jetzt kommt auch noch die Autoindustrie und stellt fest, dass das ganze technisch mit den derzeitigen Fahrzeugen nicht machbar ist. Da fragt man sich natürlich: Hat die Politik vorher mit den Autoherstellen gesprochen, um heraus zu finden, ob die Vehikel das überhaupt mitmachen können?
Die Kritik der Umweltorganisationen zeigt darüber hinaus etwas anderes: Was in der Absicht gut klingt, kann im großen Maßstab Probleme vielleicht nur verschieben. Ständiges Verkehrswachstum stößt halt auch mit Biosprit an seine Grenzen. Nachhaltige Lösungen erfordern, dass man das Gesamtsystem im Auge behält. Darauf hat man in der Euphorie für Biokraftstoffe scheinbar vergessen.
Quelle: http://derstandard.at/?id=3288791
Greenpeace: http://www.greenpeace.at/biotreibstoffe.html

