In diesem Semester habe ich eine “halbe” Gastprofessur an der Universität Hamburg inne. Hamburg ist eine schöne Stadt und doch beträchtlich anders als Wien. So mache ich mich genau drei Mal für 2 Tage auf den Weg, jeweils Freitag und Samstag, um von jeweils 10 bis 18.30 mit Hamburger Studierenden über Nachhaltigkeit in Wirtschaft und Politik zu sprechen. Aber: wie reise ich da am besten (nachhaltigsten?) an? Ein Selbstversuch!
Vor 3 Wochen war ich zum ersten Mal hier. Hinflug Air Berlin. Ab Donnerstag, 16.35 Uhr. Das bedeutet: 15.00 ab Wohnung. Straßenbahn, Flughafenbus, Einchecken, Sicherheitskontrolle, Warten, Bus zum Flieger, Warten auf den Start, Starten, eine gute Stunde in der Luft, Landen, Aufs Gepäck warten, Flughafenbus, U-Bahn und dann noch 5 Minuten gehen zum Hotel. Alles in allem: ca. 5 Stunden – für 93 Euro.
Das Hotel ist sehr schön ausgesucht von meinen hiesigen Gastgebern. YoHo – The Young Hotel. Kostet 97 Euro mit Frühstück und ist alle Mal sein Geld wert. Ich mache mich auf den (für mich neuen) Weg zur Uni, esse zu Abend und bereite mich dann im Hotel noch auf die Vorlesung vor, trinke vor dem schlafen gehen noch ein Glas Wein, schlafe dennoch unruhig und bin gespannt, was auf mich zukommt.
Natürlich ist alles gut gegangen. Zurück ging’s dann mit dem Zug: Schlafwagen, Einzelabteil – davor noch ein gepflegtes Abendessen. Ab 20.33 – an 9.05. Frühstück im Café Westend mit meinem Vater, der grade in Wien ist – reisen statt fliegen.
3 Wochen später fahre ich auch mit dem Zug NACH Hamburg. Bärbel, meine Frau, bringt mich um 19.30 zum Bahnhof. Abfahrt 19.57 – pünktlich wie die Eisenbahn. Davor hatten wir noch die Spargelsaison eröffnet und nachmittags sogar Rhabarberkuchen gegessen – das wär sich mit der 16.35 Uhr Maschine nicht ausgegangen. Diesmal habe ich – weil ich ja morgens in die Vorlesung muss – ein Schlafwagenabteil mit Dusche gebucht. Doppel, weil billiger, ich bleibe aber alleine, erledige noch ein paar Sachen, bereite mich auf die Vorlesung vor, trinke vor dem Schlafen noch ein Bier, schlafe dennoch unruhig und werde um 1/2 7 von der Schaffnerin geweckt. Duschen, frühstücken, Ankunft 7.59 – pünklich wie die Eisenbahn. Reisen statt fliegen! Das Frühstück: naja – der Bahnhof Dammtor ist aber nur 15 Minuten Fußweg von der Uni entfernt und da gibt’s zum Ankommen erst mal einen Cafe Latte und die taz in der Morgensonne vor dem Café Balzac.
Preisvergleich: Flug&Hotel: 190 Euro – Nachtzug (wie beschrieben): 127.40 Euro.
Zeitvergleich: 4,5 Stunden länger bei meinen Lieben. (der Abendflug wäre noch teurer gewesen, die Frühmaschine kommt erst um 10 in Hamburg an).
Fazit: beides probiert – kein Vergleich. Jedenfalls aber: kein Verzicht!

