
0800-8490900. Das ist der Windelnotruf. Glaube ich jedenfalls, habe mich nie getraut, mal anzurufen.
Die Nummer findet sich auf der Vorderseite der Windeln unseres Sohnes. Kann man da anrufen, wenn die Windel voll ist? Oder zumindest wenn sie übervoll ist? Vielleicht versuche ich das mal, wenn unser Kleiner nicht mehr gestillt wird und die Geruchsbelastung dadurch noch mal zu nimmt…
Eine solche Service-Nummer kann es natürlich nur auf einem ganz besonderen Produkt geben: Wir haben als Ökoeltern “natürlich” nach Alternativen zur Wegwerfwindel gesucht. Und haben sie gefunden. Nach erfolglosen Versuchen mit der klassischen “Mullwindel fünf mal um den viel zu schmächtigen Babykörper wickeln”-Variante, haben wir Höschenwindeln aus Biobaumwolle gefunden. Mit Klettverschluss und eben Notrufnummer.
Diese haben nur zwei Nachteile zur Wegwerfwindel: Erstens: Man muss natürlich noch eine wasserdichte Überhose drüberziehen, hat also doppelte Arbeit. Wenn man sich ansieht, wie viel Zeit so ein Kind benötigt, ist das aber auch schon egal… Zweitens: Man muss die oft nicht mehr ganz porentief reinen Höschen luftdicht aufbewahren, bis man sie mit einem beherzten Griff der Waschmaschine anvertraut. Das kann man mögen, muss man aber nicht.
Ansonsten nur Vorteile: Das Kind wird angeblich schneller trocken, weil es schließlich feuchter liegt, als ein Wegwerfwindelkind. Die Feuchte hat aber auch Vorteile: Die Windel klebt nie am Allerwertesten und sorgt dadurch für weniger Wundheit an dem selben. Die Saugkapazität der Baumwolle ist riesig und kann durch spezielle Nachteinlagen noch mal deutlich erhöht werden.
Alles praktische Vorteile im Alltag. Der Ausgangspunkt für unsere Suche nach einer Alternative zum Baby-Dry-Raupi-Flex-active-fit-Wahnsinn war aber unsere Sorge, dass unser Sohn mit seinen Windeln die Restmülltonne unseres Mehrfamilienhauses im Alleingang füllen könnte. Die Müllberge, die schon die jüngsten Erdenbewohner mit Wegwerfwindeln produzieren, stehen einfach in keinem Verhältnis zu ihren eigentlichen Bedürfnissen. Aus unserer Sicht ist ein Windelnotruf durch die Umwelt längst überfällig: Wegen Überfüllung der Mülldeponien.
Aber es gibt auch andere Sichtweisen zur Ökobilanz der Windelsysteme: Angeblich sei es unter dem Strich kein Unterschied, für welches System man sich entscheidet. Baumwollanbau, Verarbeitung, Herstellung, Transport, Wäsche, Trocknung. Alles Faktoren, die Energie und Rohstoffe kosten – auch bei Mehrwegwindeln. Und: Dank des Müllverbrennungsanlagen-Booms der 90er ist der Müll der Wegwerfwindeln ja auch wieder ein wertvolles Gut, um das hart verhandelt wird. Windeln brennen übrigens sehr gut!
Aber: Mit den Mehrwegwindeln hat man einen viel größeren Einfluss darauf, wie die Windelökobilanz ausfällt: Man kann mit weniger Windeln auskommen, die man kauft. Man kann Biomaterialien wählen. Man kann die Waschtemperatur niedrig halten (60 statt 90 Grad) und man kann auch auf den Wäschetrockner verzichten.
Frage an die Forscher: Gibt es schon ein Windel-MIPS?

