Schon mal überlegt, was mit Deinem alten T-Shirt passiert, wenn Du es entsorgst? Viele Menschen spenden ihre gebrauchte Bekleidung an karitative Organisationen – für den „guten Zweck”. Aber welcher Verwertung werden die gesammelten Alttextilien tatsächlich zugeführt? Es gibt viele End-of-Life-Möglichkeiten, die sich nicht nur nach der Qualität der „Altkleiderspende” sondern auch nach den sammelnden Organisationen unterscheiden. Die Mehrzahl der gesammelten Altkleider in Österreich wird nämlich gegen der weitläufig verbreiteten Meinung nicht an bedürftige Menschen in Österreich weiter gegeben. Sie treten einen weiten Weg an. Durch den relativen Preisverfall der Textilien im Vergleich zu anderen Konsumgütern und den schnell wechselnden Modetrends, ist die Nachfrage nach Bekleidung – und somit auch der Textilabfall – im letzten Jahrzehnt gestiegen. Jede/r ÖsterreicherIn gibt jährlich rund drei Kilogramm Bekleidung und Haushaltstextilien zur Altkleidersammlung, die in den meisten Fällen im Namen von karitativen Organisationen durchgeführt wird. Häufig gehen karitative Organisationen Partnerschaften mit privatwirtschaftlichen Logistik- und Recyclingunternehmen ein, und überlassen Sammlung, Sortierung, Transport und Verwertung für ein Entgelt/kg Alttextilien den Profis. Dadurch können sich die karitativen Organisationen ihre sozialen Tätigkeiten finanzieren.
Second-Hand Shops für Bekleidung sind ein klassisches Reuse-Konzept, allerdings werden nur rund 2 % der gesammelten Alttextilien in den lokalen Second-Hand-Shops verkauft. Die Mehrheit der tragbaren Alttextilien, rund 48 % wird abgepackt und zum Weiterverkauf in osteuropäische Länder, afrikanische Länder oder Länder des Nahen Osten transportiert. Weitere 40 % werden recycelt und gehen z.B. als Rohstoff für Putzlappen, Reißspinn- und Fließstoffindustrie, Papier- und Pappindustrie ein.
Der Export von Alttextilien hat auch Schattenseiten: So kommen die gespendeten Altkleider in den meisten Fällen nicht den in der Region ansässigen bedürftigen Menschen zugute. Außerdem haben die Alttextilexporte aus Europa und USA durch die Beeinflussung der lokalen Textil- und Bekleidungsindustrien oft negative ökonomische und soziale Effekte in den Empfängerländern. Anderseits sind die Alttextilexporte eine wichtige Einnahmequelle für Hilfsorganisationen und die ökonomische Grundlage für ein funktionierendes System zur Abfallsammlung und Abfallvermeidung.
Mögliche Ansatzpunkte für einen nachhaltigen Textilkonsum sind der Kauf von Second-Hand-Ware, der Kauf von qualitativ hochwertiger, lang-nutzbarer Bekleidung und der Kauf von Textilien aus ökologischer und fairer Produktion. Lebenszyklusanalysen belegen (WOOLRIDGE et al., 2006), dass durch die Wiederverwendung und das Recycling von Alttextilien Netto-Ressourcen- und Nettoenergieeinsparungen bewirkt werden können. Jedes Kilogramm Alttextil der 1 kg neuer Baumwolle ersetzt spart rund 65 kWh und rund 16 Liter Süßwasser. Die Materialflüsse des Textilsektors könnten durch höherpreisige Produkte mit doppelt so langer Nutzungsdauer ohne ökonomischen Schaden halbiert werden.
Meiner Meinung nach sollten sich die KonsumentInnen in den Industrieländern ihrer Verantwortung für die sozialen und ökologischen Auswirkungen des extensiven Bekleidungskonsums bewusst werden. Aber wer denkt an globale Verantwortung wenn die neuesten Sommertrends in den Modemetropolen der Welt präsentiert werden?
Mehr interessante Facts über Textilrecycling findest du unter den folgenden Links:
Dachverband FairWertung eV
Fachverband Textil-Recycling
UFH – Umweltforum Haushalt

