Vom 9.-11. September 2009 fand in Manila die von den beiden UNO-Organisationen UNIDO (für Industrie) und UNEP (für Umwelt) gemeinsam organisierte Konferenz „Green Industry in Asia. Managing the transition to resource efficient and low-carbon industries” statt.Ich war dort, um ein Hintergrundpapier (www.seri.at/manila) zu präsentieren, das meine Kollegin Christine Polzin und ich im Auftrag der UNIDO für diese Konferenz geschrieben haben.
Insgesamt war es eine tolle Erfahrung, eine UN Konferenz einmal hautnah mitzuerleben, an der (zumindest am ersten Tag) Minister bzw. Vize-Minister (es waren ausschließlich Männer!) aus 22 asiatischen Ländern anwesend waren. Die offiziellen Vertreter der Länder beschlossen gemeinsam die „Manila Declaration on Green Industry in Asia”, ein freiwilliges Abkommen der asiatischen Länder, sich für Energie- und Ressourceneffizienz in der Industrie einzusetzen. Es beinhaltet auch einen Aktionsplan, der jedoch noch vager ist als die EU Dokumente (zum Beispiel die „EU Resource Strategy”) zu diesem Thema: Einsetzung von Arbeitsgruppen, Austausch von Best Practices, Abhaltung von Capacity Builiding Events, etc.Schon interessant, das offizielle Prozedere einmal mitzubekommen – jeder Minister gab ein kurzes Statement ab, von der Moderatorin immer eingeleitet: „… please welcome, his Excellency, the honourable XY”; so möchte ich auch einmal einmoderiert werden für einen meiner Vorträge
Die TeilnehmerInnen der Konferenz waren in einem sehr tollen Hotel gleich gegenüber vom Konferenzzentrum untergebracht. Für mich war das sehr ambivalent: einerseits der totale Überfluss innerhalb des Hotels (großes Pool, Palmen, Bars, riesiges Frühstücksbuffet, etc.), andererseits zu wissen, dass ich hier in einer Nacht wahrscheinlich mehr bezahle als ein
durchschnittlicher Filipino im Monat verdient – total verrückt.
Immerhin sagten viele Minister wortwörtlich: „continuing business as usual is not an option”. Asien sieht zusehends, dass das Entwicklungsmodell nach westlichem Vorbild nicht mehr (lange) aufrecht zu erhalten ist: Klimawandel, Ressourcenknappheiten, Umweltverschmutzung; das alles ruft nach einem neuen Entwicklungsweg und es werden große Hoffnungen in die green industries gesetzt, um Wachstum und Umwelt zu vereinbaren.
Einige arme Länder (wie Pakistan oder Afghanistan) haben auch explizit gesagt, dass es für sie nicht um eine Reduktion (etwa der CO2 Emissionen) gehen kann, wenn die Menschen nicht einmal genug zu essen haben. Sondern dass (nur) die reichen Länder reduzieren müssen. Wir argumentieren ja auch seit Jahren entlang dieser Linie (siehe unseren neuen Ressourcenbericht auf www.seri.at/resource-report).
Auch Ernst Ulrich von Weizsäcker (Autor des Faktor 4 Buches und „Mit-Erfinder” der Ressourceneffizienz-Idee) gab eine Key Note-Rede. Sein interessantes Argument: um den so-genannten Reboundeffekt durch die Effizienzsteigerung einzudämmen, müssen die Preise für Ressourcen steigen. Die Regierungen sollen beschließen, dass die Energiepreise immer angelehnt an die Fortschritte in der Energieeffizienz steigen. Somit hätte man einen automatischen Mechanismus, der garantiert, dass die Leute nicht mehr Geld
in der Geldbörse hätten. Aus meiner Sicht funktioniert das aber auch nur dann ohne Rebound, wenn die Regierungen die erhöhten Steuereinnahmen in die Entwicklung von neuen Technologien investieren, sonst ändert sich ja nichts.
Am zweiten Tag stand dann mein bislang höchstrangiger Vortrag im Plenum auf dem Programm. Es waren etwa 400 ZuhörerInnen und vom Feedback, das ich nachher bekommen habe, scheint der Vortrag sehr gut angekommen zu sein. Viele wollten nachher die Präsentation haben und haben gemeint, es sei so wichtig, dass es diese Zahlen und Darstellung der Trends global und für die verschiedenen Weltregionen gibt – v.a. auch die Darstellung der Ungleichheiten, etwa im Pro-Kopf Ressourcenkonsum.
Unser Background Paper wurde auch von der UNIDO gedruckt und 1000 (!) mal an die Teilnehmer verteilt. Laut UNIDO Auftraggeber gingen die Papers weg „wie die warmen Semmeln” und das Paper soll im Dezember für die Jahressitzung der UNIDO in Wien in einer überarbeiteten Form noch einmal gedruckt werden.
Am Nachmittag gab ich dann mein erstes gefilmtes Interview, das UNIDO Team hat mich und einen Holländer zu Fragen wie Ressourcenkonsum, -effizienz und Rebound befragt. War auch ein spannendes Erlebnis, vor laufender Kamera spontan antworten zu müssen, ohne die Fragen vorher zu kennen. Das Interview wird auf der UNIDO Webseite zu sehen sein und im nächsten UNIDO Newsletter abgedruckt, der dann auch weltweit die Runde macht.
Am dritten Tag der Konferenz gab es dann zum Thema „Finanzierung von green industries & green products” einen spannenden verbalen Schlagabtausch zwischen NGO VertreterInnen und einem Vertreter der größten philippinischen Privatbank auf dem Panel. Der Vortrag des Bankvertreters zeigte, dass die Bank immer mehr grüne Aktivitäten finanziert. Dann war die Frage aus dem Publikum, wie das zu vereinbaren sei mit der Tatsache, dass sie jetzt gerade ein riesiges neues Kohlekraftwerk im Süden der Philippinen finanzieren. Das zeigte ganz klar das Dilemma auf, in dem sich viele dieser Länder derzeit befinden: einerseits brauchen sie dringend mehr Elektrizität, weil sehr viele Menschen noch nicht mal Stromanschluss haben, andererseits sind die neuen grünen Lösungen noch nicht so weit ausgereift, um billig einsatzbereit zu sein. So muss nach wie vor auf die alte Technologie zurückgegriffen werden, die dann aber die nächsten Jahrzehnte eingesetzt werden wird.
Ansonsten hab ich einige interessante Gespräche mit verschiedensten Leuten aus Asien geführt (ca. 80% der TeilnehmerInnen waren von den Philippinen, ich schätz nur etwa 5% aus den OECD Ländern, der Carbon Footprint war also trotz meiner weiten Anreise insgesamt nicht gar so groß). Ich hoffe, dass ich unsere Zusammenarbeit mit der UNIDO fortsetzen wird, hier müssen wir dranbleiben.
Paalam na hô! (Auf Wiedersehen auf Philppinisch)
PS: Von der Stadt Manila hab ich leider nicht viel gesehen, weil es die ersten beiden Tage, an denen ich sie mir ansehen wollte, praktisch durchgehend geregnet/geschüttet hat; es waren die Ausläufer von einem Taifun, der südlich von den Philippinen wütete. So viel zum Thema Klimawandel .. ..

