Vor 10 Jahren beschlossen eine Handvoll MitarbeiterInnen am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, Joachim Spangenberg, Sylvia Lorek, Philipp Schepelmann, aber auch Ines Omann, Fred Luks und ich, sich “selbständig zu machen”. Für mich war es der Versuch, nach 15 Jahren in Deutschland, nach Österreich zurück zu kommen. In Wirklichkeit hatten wir keine Idee, was daraus einmal werden sollte. Heute feiern wir unseren 10. Geburtstag.
Geburtshelfer waren die Friends of the Earth Europe, mit denen uns bis heute eine besondere Beziehung verbindet. Gerade eben erschien der Bericht „Ohne Maß und Ziel?”, der in der Tradition des vor 15 Jahren erschienenen Berichtes „Sustainable Europe” steht, an dem einige von uns bereits maßgeblich beteiligt waren und der damals in ganz Europa nationale Umsetzungen erfuhr. Davon leitet sich auch unser Name ab.
Finanzielle Basis war etwas, das ich (nach meiner Oma) gerne das „Theresia Hinterberger-Stipendium” nenne: eine kleine Erbschaft, zu der insbesondere die Möglichkeit gehörte, in unserer jetzigen Privatwohnung das erste SERI-Büro einzurichten – aber auch die Möglichkeit, meine Beschäftigung am Wuppertal Institut zu reduzieren und ein Jahr lang ca. 1 Woche im Monat in Wien zu verbringen. Klasse auch vom Wuppertal Institut, mir diesen sanften Übergang ermöglicht zu haben!
Am Anfang stand der „Verein zur Förderung eines Sustainable Europe Research Institute”, mit dem wir im September 1999 einen ersten Auftrag vom Lebensministerium zum Thema Umweltmediation bekamen.
Axel Nordmann wechselte als Praktikant von der Wupper an die Donau, verbrachte den Sommer in der Schwarzspanierstraße, schleppte erste Schreibtische von der Caritas ins „Büro”, kaufte einen Computer und designte die erste Website – incl. Logo, das bis heute unser Markenzeichen ist. Stefan Giljum war der erste Mitarbeiter. Es folgten Projekte für das italienische Umweltministerium, oder auch die Stiftung der deutschen Gewerkschaften. Aber auch erste Misserfolge bei der Bewerbung um EU-Projekte.
Wichtig war dann das erste EU-Projekt AIRP-SD zur Bewertung europäischer Programme der Nachhaltigkeitsforschung, mit dem wir uns dann auch wirtschaftlich neu aufstellen mussten. Bis zur Hälfte unsere Jahresbudgets (derzeit eine knappe Million Euro) brauchen wir, um Gehälter und andere Kosten vorzuschießen, bevor sie – gerade von der EU oft Jahre später – von Auftrag- und Fördergebern erstattet werden. Konsequenter Schlusspunkt dieser Entwicklung war dann die Gründung einer GmbH in Wien und eines eigenen Vereins in Deutschland unter der gemeinsamen Dachmarke des SERI Vereins.
Die SERI Nachhaltigkeitsforschungs und -kommunikations GmbH gehört derzeit acht ihrer MitarbeiterInnen, wovon zwei in der Zwischenzeit ausgeschieden sind. Weiteres Kapital kommt zu erschwinglichen Zinsen von 3-5% p.A. von Familienmitgliedern und Bekannten, die im Zuge der Finanzkrise mit diesem Investment viel Freude hatten im Vergleich zum Besitz von Aktien oder anderen ihrem Wert stark gefallenen Anlagen. Neue MitarbeiterInnen sind eingeladen, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten an der GmbH zu beiteiligen.
Das SERI hat sich in den letzten Jahren (durch den Weggang einiger in andere tolle Jobs, aber auch durch Wachstum auf derzeit 20 MitarbeiterInnen) enorm verjüngt. Drei Viertel der KollegInnen sind Frauen – auf allen Ebenen (Geschäftsführung, Gruppen- und Projektleitung) mindestens die Hälfte. Trotz mancher – letztlich auch notwendiger – Querelen untereinander ist unser „Kapital” das Soziale: in schwierigen Zeiten zusammen zu halten und gemeinsam für die „Rettung der Welt” zu kämpfen. Denn: „es geht um was!”
Das alles gilt es heute zu feiern! Ich wünsche dem SERI (also uns!) weiterhin die Dynamik und die Kraft zur Veränderung, die uns zu dem gemacht hat, was wir heute sind. Nur wer sich ändert, kann sich treu bleiben! Gerade die Medienberichte der letzten Wochen zeigen uns, dass dies auch jenseits der „Nachhaltigkeitsszene” wahrgenommen wird. Happy Birthday, SERI!

