Nachhaltigkeit und Sport. Liegt jetzt nicht direkt auf der Hand, dieser Zusammenhang, bis ich von einem afrikanischen Stamm inspiriert wurde. Was könnte das bedeuten: nachhaltiger Sport? Vielleicht: Entschleunigter Sport? Als Dipol zum: Beschleunigten Sport?
Nach den Fabelweltrekorden im 100 Meter Sprint der Männer der letzten Zeit bekommt man ja das Gefühl, dass es die Rennmaschinen tatsächlich einmal schaffen müssten: Hundert Meter in 0 Sekunden, bei den atemberaubenden Verbesserungen des Weltrekords. Beschleunigtes Wachstum – beschleunigter Sport eben. Apropos Weltrekord: ist ja ein typischer Begriff aus unserer konsumorientierten Welt. Gemeinhin meint man mit Weltrekord, dass niemand anderer so schnell läuft, springt wirft als eben der Weltrekordhalter. Ist das wirklich so?
Es gibt ein schönes Beispiel, dass das nicht so sein muss: in einem Wahumastamm im heutigen Ruanda üben sich junge Tutsimänner in der Disziplin des Hochsprungs. Gusimbuka Urukiramende nennt sich das, eine bewegungskulturelle Tätigkeit.
Um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert übersprangen die Wahuma-Männer die Köpfe staunender deutscher Kolonialisten, wie ein Foto aus dem Jahr 1907 belegt – Höhen von 2,20 Meter bis 2,50 Meter wurden erreicht. Durchaus möglich also, dass ein junger Mann aus dem Wahumastamm höher gesprungen ist als Javier Sotomayor, der aktuelle Weltrekordhalter (das Foto auf einem Buchdeckel ist hier zu sehen).
Alles nur eine Frage der Wahrnehmung also und es zeigt die sehr einseitige Projektierung auf die Geschwindigkeit im Sport … Das was die Wahuma-Männer da praktizierten könnte also für unseren Begriff des Sportes durchaus Vorbildwirkung haben: Nicht um jeden Preis Leistung und Sieger, stattdessen den Sport mit neuen Attributen versehen, ähnlich wie bei den lukullischen Güssen: slow sport zum Beispiel.
(Bild: Prof. Dr. Claus Tiedemann, Universität Hamburg: Vortrag “Sport-Bilder” vom 18.9.2006, Titel: Sprung eines Watussi, 2.50m, heute korrekt: Tutsi)

