In Kopenhagen wird derzeit darüber verhandelt, wer welchen Beitrag zu einer grundsätzlich von allen für wichtig und richtig befundenen Verringerung der Treibhausgase leisten muss. Eine entscheidende Frage dabei ist: sind diejenigen, die Güter und Dienstleistungen produzieren verantwortlich für die Treibhausgase oder sind es diejenigen, die sie konsumieren. In Zeiten der Globalisierung wird daraus eine Frage internationaler Verhandlungen.
Wo auf der Erde Treibhausgase emittiert werden, ist für ihre Wirkung, den sogenannten Treibhauseffekt, letztlich irrelevant. Die bisherige Klimapolitik des Kyoto-Protokolls, in dem sich die Industriestaaten der Erde zu einer bestimmten Treibhausgasreduktion bis 2012 verpflichtet haben, rechnet Emissionen immer dem Land zu, in dem sie in die Umwelt entlassen werden. Strategien einzelner Länder zur Reduktion von CO2-Emissionen können so leicht dazu führen, dass diese lediglich in andere Länder verlagert werden, etwa durch vermehrte Importe von Stahl aus dem Ausland.
Um die weltweiten ökologischen Auswirkungen der Produktion und des Konsums eines bestimmten Landes zu bewerten ist es daher notwendig, den internationalen Handel und dessen CO2-Rucksäcke mit einzubeziehen. Nur so können mögliche Verlagerungen von Umweltbelastungen in Folge von veränderten globalen Produktions-, Handels- und Konsummustern erkannt und analysiert werden. Das bedeutet, dass z.B. Österreich weitausmehr Emissionen verursacht als in Österreich selbst emittiert werden. Im Jahr 2005 überstieg die Zahl der durch Österreichs Konsum verursachten Emissionen jene der Produktion um 58%. Damit liegt Österreich im globalen Vergleich an der achten Stelle der CO2-Netto-Importeure.
Ende des Jahres erscheint ein neuer Bericht von SERI der die globale Verlagerung von CO2-Emissionen durch den internationalen Handel bestätigt. Die vorläufigen Ergebnisse zeigen, dass im Jahr 1995 die Importe von CO2-Rucksäcken der Länder, die sich im Kyoto-Protokoll zu konkreten Emissionsreduktionen verpflichtet haben, deren Exporte um rund 1,5 Milliarden Tonnen überstiegen. Diese sog. Annex-B-Länder waren also Netto-Importeure von knapp 7% der globalen CO2-Emissionen. Bis zum Jahr 2005 hat sich diese Menge beinahe verdoppelt, die Annex-B-Länder bilanzieren 10 Jahre später mit Netto-Importen von 2,8 Milliarden Tonnen CO2 (was mehr als 10% der globalen CO2-Emissionen entspricht).
Den größten Anstieg, so der vom österreichischen Klimafonds finanzierte Bericht, verzeichnen die Vereinigten Staaten, die ihre Netto-Importe auf etwa 1,3 Milliarden Tonnen verdreifacht haben. Die EU27 hält knapp dahinter bei 1,2 Milliarden Tonnen CO2-Netto-Importen. Am anderen Ende des Spektrums stehen die Entwicklungsländer, die gemeinsam 55% aller CO2-Netto-Exporte verbuchen, gefolgt von den Schwellenländern China (23%) und Russland (8%).
Die durchschnittliche jährliche Produktion von CO2-Emissionen in der EU27 belief sich im Jahr 2005 auf 8,2 Tonnen pro Person, der EU-Konsum verursachte jedoch 11,2 Tonnen CO2 pro Person. Entwicklungsländer bilanzierten 2005 hingegen CO2-Emissionen von weniger als 3 Tonnen pro Person, wobei der Konsum in diesen Ländern sogar nur 1,4 Tonnen pro Person betrug. Gerade der Konsum der größten Emittenten von CO2-Emissionen ist also Triebfeder für CO2-Emissionen auch in anderen Weltregionen.
Diese Zahlen verdeutlichen, dass eine globale Zuweisung der Verantwortung für CO2-Emissionen nach dem territorialen Prinzip zu einer rechnerischen Besserstellung entwickelter Industrienationen führt, deren Lebensstile und Konsumverhalten noch größere Auswirkungen auf das Klima haben, als die nationalen Emissionsbilanzen vermuten ließen.
Andererseits kann man natürlich sagen, dass auch die Produzenten über die Einnahmen aus dem Verkauf ihrer Waren profitieren. Wir schlagen deshalb einen Ansatz der geteilten Verantwortung vor, der zwar die Produzenten nicht aus ihrer Verantwortung entlässt, den Konsumentenländern jedoch einen Teil dieser Verantwortung überträgt.
Ansprechpersonen: Martin Bruckner und Stefan Giljum

