Das Ergebnis von Kopenhagen ist ein Desaster – das sagen sogar die, die es beschlossen haben. Letztlich haben sich die Akteure gegen das Risiko entschieden, den Lauf der Geschichte zu verändern. Das bedeutet nicht nur einen Anstig des Meeresspiegels, sondern vor allem eine dramatische Verschlechterung der Welt-Ernährungssituation und schließlich des Welt-Friedens (siehe den 2007er-Bericht des Wissenschaftlichen Beirates für Globale Umweltfragen der deutschen Bundesregierung).
Wirtschaftliche Entwicklung, wie wir sie kennen, hängt in erheblichem Ausmaß vom Wirtschaftswachstum ab. Dass sich die dramatische Reduktion von Treibhausgasen wohl negativ auf das Wachstum der Weltwirtschaft auswirken wird, wurde gerade jetzt wieder von einer Gruppe österreichischer ÖkonomInnen aus Instituten, Universitäten, Ministerien und dem Finanz-Sektor fest gestellt.
Das war wohl auch der entscheidende Hemmschuh für die Verhandler in Kopenhagen. Ist Wirtschaftswachstum also wichtiger als Lebensraum von Millionen und die Ernährung von Milliarden Menschen?
Ist es nicht, wenn es uns gelingt, uns endlich aus dieser “Zwick-Mühle” zu befreien.
Etliche Unternehmen und Initiativen haben in den letzten Wochen gezeigt, dass die Zeit des “ich engagiere mich erst, wenn es auch die andern tun” vorbei ist. Offensichtlich ist diese Message aber in der hohen Politik noch nicht angekommen, die (zu recht?) befürchtet, abgewählt zu werden, wenn sie wirklich wirksame Maßnahmen für die Nachhaltigkeit ergreifen. Dabei gibt es Bibliotheken voll von Erkenntnissen, die zeigen, wie Klimaschutz/Nachhaltigkeit – richtig gemacht – und Lebensqualität zusammen gehen können: z.B. eine ökologische Steuerreform, die die Arbeit steuerlich entlastet. Oder Initiativen, die Strategien für mehr Lebensqualität gerade im weniger materiellen Bereich suchen.
Vielleicht ist dieses Scheitern besser als ein fauler Kompromiss. Denn es hat klar gemacht, dass wir uns nicht auf die (globale) Politik verlassen dürfen. Positiv an Kopenhagen war sicher eine nie da gewesene Öffentlichkeit für das Thema und auch eine stärkere Mobilisierung der Zivilgesellschaft als je zuvor. Wine einschlägige AVAAZ-Petition hat ihr selbst gestecktes Ziel von 15 Millionen UnterzeichnerInnen (!) nur knapp verfehlt. Zur Zeit sind es 14 Millionen 737 Tausend und 163 Menschen, die diese Petition unterzeichnet haben.
Wir nehmen uns am SERI vor, weiterhin all diejenigen zu unterstützen und zu begleiten, die sich ernsthaft für eine nachhaltige Zukunft einsetzen. Dazu gehören Unternehmen ebenso wie Ministerien, NGOs wie Einzelpersonen. Die Zeit bis zum nächsten Klimagipfel in einem Jahr in Mexico wird spannend. Darauf freuen wir uns und auch darauf, diesen Weg mit vielen unserer ProjektpartnerInnen, AuftraggeberInnen und einer breiter werdenden interessierten Öffentlichkeit zu gehen.
Und: wir müssen die vielen Einzelinitiativen, die es in diesem Bereich gibt, zusammen bringen. Die Zeit der Einzel-Kämpfer ist vorbei! Ein sehr schönes Beispiel dafür war die Neuformulierung der “Ökosozialen Marktwirtschaft” mit Ökosozialem Forum und WIFO aber auch mit “Stakeholdern” von Armutskonferenz oder Integration Wien.
Wie heißt es im Fußball so schön: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. JETZT beginnt Post-Kopenhagen. Jetzt erst recht: viel weniger Ressourcenverbrauch und gleichzeitig mehr Lebensqualität für alle, heute und morgen! Das geht. Yes, WE can, Herr Obama!

