Einen Teil (Oktober und November) meiner Auszeit verbrachte ich in Jacobina, einer Stadt mit ca. 80.000 EinwohnerInnen, 300 km nordwestlich von Salvador, im sogenannten Certado (Steppe), wo ich in einigen (sozialen, kulturellen) Projekten mitarbeitete bzw. auf eigene Faust ein paar Dinge ins Leben rief (wie z.B. einen interkulturellen Austausch zwischen SchuelerInnen eines Gymnasiums in Kaernten und Schuelerinnen in Jacobina ueber Skype und Orkut).

Die OesterreicherInnen
Jacobina ist eine für Brasilien kleine Stadt wie viele andere auch, mit vielen kleinen Häuschen, Geschäften, Schulen, Krankenhäusern, Markt, Bars - aber ohne Tourismus. Ich bin das erste Mal in Brasilien an einem Ort, wo es Touristen nicht hinverschlägt. Und es ist anders, wie ihr Euch vorstellen könnt.
Die Eingewoehnungsphase ging langsam voran, also nicht so schnell, wie ich es sonst von mir gewöhnt bin. Assoziationen, die mir in den ersten Tagen immer wieder kamen:
Trocken - arm, sehr arm - sehr viele sehr dunkle Menschen - sehr einfach - viele Mütter alleine mit vielen Kindern - staubig - heiss - Lärm - Herzlichkeit - süsse Kinder - Arbeitslosigkeit - enorm hohes Sozialkapital - Frauengruppen - soziale Kirche - Ehrenamt - Zucker - gastfreundlich - neugierig - Lachen - Feiern - Zusammenkünfte - Events - Musik - Früchte - Tiere
Ich wohnte mit Michaela, einer österreichischen Voluntärin, in einem kleinen Häuschen in Bananeira (einer der ärmsten Staddteile). Unsere Strasse in der Bananeira
Es gibt im Grunde 3 Vereine hier, Atabaque, Acides und Grota do Brito.
Atabaque befaßt sich v.a. mit Umweltthemen, Arbeitsschaffung, Kultur und Sport, Acides mit sozialen Inhalten und Grota do Brito mit ökologischer Landwirtschaft und Permakultur. Natürlich gibt es viele Überschneidungen und jedes Projekt hat auch immer mit Sozialem zu tun. Atabaque und Grota do Brito wurden von Markus Breuss (http://www.puravidabrasil.org/), einem Vorarlberger, der seit 10 Jahren hier lebt, mit Menschen aus Jacobina gegründet. Er kam über ein soziales Jahr nach Brasilien, machte seine Diplomarbeit hier und hat sich dann verliebt und lebt mit Frau und Kind in Bananeira, dem Armenviertel von Jacobina. Die Aktivitäten der Vereine spielen sich hauptsächlich hier ab. Alle Projekte leben nur vom ehrenamtlichen Engagement hier und Spenden, v.a. aus Österreich. Natürlich mangelt es dennoch an allen Ecken und Enden und jeder Euro kann sehr sehr gut gebraucht werden und wird zu 100% für die Menschen und ihre Lebensqualität verwendet.
Wenn Ihr Euch für eines der Projekte näher interessiert und mehr wissen wollt, fragt mich bitte (09inesita@gmail.com).
Wenn Ihr spenden wollt (sozusagen als After X-Mas- Alternativweihnachtsgeschenk) kontaktiert mich bitte oder ueberweist direkt auf mein Konto (Nummer: 11114, BLZ: 39501, Ines Omann) und gebt mir Bescheid, wofuer Ihr spenden wollt. Das Geld kommt ueber Michaela direkt in die Haender derer, die es brauchen. Es waere sicher eine wunderbare Geste von Euch für Bananeira und Jacobina und die Steigerung der Lebensqualität der Menschen hier!
Acides:
Kinderbetreuung und Hort: hier gibt es 3 „Schulen”, wo die Kinder außerhalb der Schulzeit hinkommen, lernen, spielen, Essen kriegen, Aufgaben machen, sowie Ausflüge.
Pastoral da Crianza: die Kinderpastoral, entspricht in etwa unserer Jugendwohlfahrt. Marineide (eine der beiden Schwestern, die gegenüber von uns wohnt und wahnsinnig aktiv in Acides ist) ist dieChefin und sie betreut einige tausende Familien in Jacobina und beraet sie in punkto Ernaehrung, Gewalt gegen Kinder und Frauen, Ausbildung
CEI: eine Abendschule für Erwachsene, ab 18. Es gibt verschiedene Fächer; LehrerInnen arbeiten hier nur ehrenamtlich.
Fogão solar: ein Solarofen, auf dem man alles kochen und backen kann, nur mit der Energie der Sonne. Ein sehr mutiges und junges Projekt. Die Teile kommen aus Oesterreich, koennen hier gekauft warden (sehr guenstig, durch Spenden unterstuetzt), werden dann vor Ort aufgestellt und es gibt sogar eigene Kochkurse.
Motirão Novo: Das ist ein Stadtteil etwas außerhalb von Jacobina, der aufgebaut worden ist, damit sich Besitzlose und Landlose ansiedeln können. Es leben mittlerweile 80 Familien dort, in Häusern, wo es bis vor kurzem keinen Gasherd, kein Bad, kein WC gab. Marineide, hat ein Projekt für die Menschen hier gestartet.
Einerseits bekommen sie Unterstützung beim (Aus)bau ihrer Häuser, damit WC, Bad, Strom und Gasherd (denn mit Holz zu kochen ist - wie wir wissen - sehr schädlich für die Gesundheit) gebaut, installiert werden können.
Das Geld kommt auch hier v.a. von Spenden aus Österreich. Zudem besucht Marineide die Menschen regelmäßig, bringt Kuchen, Saft und Spielzeug (altes aus Österreich) mit. Ich durfte sie gemeinsam mit Michaela begleiten. Es war sehr berührend für mich. Die Kinder standen Schlange für Saft und Kuchen und jede/r bekam dann ein Spielzeug: Ball, Stofftier, Federpenal… ganz einfach Sachen, zumeist alte, die in Österreich nicht mehr gebraucht werden. Ich hab mit einem kleinen Bub ganz lange mit einem Wasserball gespielt, über den er sich so gefreut hat. Seine Augen leuchteten, das Gesicht strahlte. Ich war beschämt. Ein anderer bekam einen Hasen mit Winterpulli und Pudelmütze. Auch er freute sich so sehr. Für mich war es sehr lustig, dieses Winterstofftier zu sehen, in einem Land, wo es nie schneit, wo man keine Pudelmütze oder Wollpullis braucht.
Atabaque:
Quilombo Ere: ein Kultur- und Sportprojekt wo Jugendliche Capoeira,trommeln, jonglieren, afro-brasiliansiche Tänze lernen können bzw. auch Fußball spielen etc. Sie machen immer wieder Aufführungen. Ich hab dort ganz spontan Walzerkurse abgehalten, war ein Riesenspass (Samba ist mehr ihres, da darf man mehr mit den Hueften wackeln)
Oficina Puravida: Werkstätten, wo verschiedene Kurse abgehalten werden, Produkte erstellt und verkauft (ökologische Putzmittel, Kleidung) www.puravidabrasil.org (dort gibt eine Übersetzung der Blogs der anderen Projekte)
Grota do Brito:
Hier geht es vor allem um Kurse in ökologischer Landwirtschaft, Florikultur, Permakultur. Die Grota ist ein Bereich in einem (fast tropischen) Wald mitWasserfällen, unweit von hier, wo die Pfarre Land gekauft hat, um es der Bevölkerung zu geben, mit dem Ziel Land zu haben, um was anzubauen, Wochenendhäuschen zu errichten und Zeit mit der Familie und mit FreundInnen zu verbringen. Eine Bedingung beim Schenken des Grundes war, dass dieser nicht verkauft wird. Aber leider ging das nicht ganz auf; einige der Familien, die ja wirklich alle sehr arm sind, haben den Grund verkauft. Daher wurde vor ca. 1 Jahr ein Verein gegründet, der sich um die Koordination und Verwaltung kümmert und dem Verkauf Einhalt gebietet.
