Angefangen hat es mit einer Einladung zum IAEA Ball vor ein paar Jahren. Die Einladung habe ich „dankend“ abgelehnt. Zum davor angesetzten Zusammentreffen bin ich gegangen. Umringt von Freunden die da keine Skrupel haben, musste ich meine Gründe nennen, warum ich danach nicht mitgehe. Um es ihnen deutlich zu verstehen zu geben habe ich die Argumente entlang der Produktionskette aufgezählt. Wenn ich in dieser Reihenfolge daran denke: Uranabbau, Transport, im AKW und Endlagerung kann ich kaum ein Argument vergessen. Es verbildlicht sich systematisch vor meinem inneren Auge und ich sehe den tragischen Ablauf vor mir. Liebe Leute, ich empfehle euch, nur diese vier genannten Prozessschritte zu merken, die dazu passenden Inhalte zähle ich euch im Folgenden auf und ich bin mir fast sicher, dass diese nicht mehr zu vergessen sind…
Außerdem arbeite ich gerade an einem Projekt (SLASH) in dem es darum geht Strom zu sparen um AKWs abzuschalten. Ja, das wäre sogar einfach machbar, wenn wir uns alle ein bisschen einschränken!
Der Abbau
Für den Uranabbau müssen schwere Maschinen eingesetzt werden, welche das Klima belasten. Beim Abbau und der Anreicherung werden außerdem giftige Stoffe verwendet, welche der Umwelt zusammen mit der radioaktiven Strahlung, die frei wird, erheblichen Schaden zufügt. Da die Urankonzentration laufend abnimmt, müssen sogar immer größere Mengen abgebaut werden. Die Aufbereitung wird aufwändiger, so dass die Auswirkungen schlimmer werden.
Der Uranabbau erfolgt meist unter unmenschlichen Bedingungen, und die Bevölkerung wird ungeschützt den Gefahren ausgesetzt. Zum Beispiel hat die Regierung in Niger Schürfrechte an ausländische Konzerne verkauft. Die betroffenen Gebiete wurden den Nomadenvölkern weggenommen. Die Folgen sind bewaffnete Aufstände, Menschenrechtsverletzungen und verseuchte Wasserquellen. In den USA und in Kanada erfolgt der Uranabbau in den indianischen Siedlungsgebieten. Die Ureinwohner sind gegenüber den Uran-Konzernen praktisch rechtlos und die Grubenarbeiter sind ungeschützt und unaufgeklärt bezüglich der gesundheitlichen Gefahren. Unter dem autoritären Regime in Kasachstan wird das Uran in bereits durch Atombombentests verseuchten Gebieten abgebaut. Weitere Bespiele in der Art gäbe es zur Genüge.
Der Transport
Die Uranproduktion und der Uranverbrauch finden örtlich getrennt statt. Dort wo abgebaut wird, wird meist nicht konsumiert, weshalb kürzere oder längere Transportstrecken entstehen. Die Uranabbauländer profitieren also nicht einmal von dem geförderten Rohstoff, sind aber von den Umweltbelastungen des Abbaus stark betroffen. Das heißt, dass das abgebaute Uran quer durch die ganze Welt transportiert wird. Unfälle, mit verheerenden Auswirkungen für Mensch und Umwelt, sind bei den Transporten einfach nicht auszuschließen.
Im Atomkraftwerk
Es wird angenommen, dass in einer Nähe zwischen 20 und 50 km rund um ein Atomkraftwerk ein erhöhtes Krebsrisiko besteht. Im Normalbetrieb! Je nach Studie gibt es dazu aber unterschiedliche Ergebnisse. Je nachdem wer die Studie finanziert hat…
Ein weiteres Risiko ist ein technischer Störfall bei dem es zum Austritt von radioaktivem Material kommen kann. Im schlimmsten Fall passiert eine Kernschmelze wodurch große Mengen an radioaktivem Material freigesetzt werden. Die Atombefürworter verwenden seit Jahrzehnten das gleiche Argument der „nächsten Generation“ an Atomkraftwerken, in denen es so gut wie nicht mehr zu technischen Problemen kommen kann. Schon in den sechziger Jahren gibt es „die nächste Generation“. Technische Störfälle gab es trotzdem und wird es höchstwahrscheinlich weiterhin geben.
Ein Störfall kann auch aufgrund von Naturkatastrophen ausgelöst werden, wie im Jahr 2011 in Fukushima. Ein Tsunami, ein Hurrikan oder eine Überschwemmung sind Beispiele. Die Annahme, dass Atomkraftwerke in Gebieten errichtet werden, welche weniger vulnerabel sind, kann jedoch nicht getroffen werden. Unzählige Atomkraftwerke stehen zum Beispiel auf seismisch aktivem Boden oder küstennahe.
Ein weiteres Argument dafür, keine weiteren Atomkraftwerke zu errichten und die vorhandenen abzuschalten sind Terroranschläge. Nicht auszumachen sich vorzustellen, dass ein Atomkraftwerk in Europa vorsätzlich in die Luft gesprengt wird! Da kann auch die „nächste Generation“ an AKWs nicht mehr abhelfen.
Lagerung des Abfalls
Bis dato gibt es kein Endlager für radioaktiven Abfall. Es ist anzuzweifeln, dass es dieses je geben wird. Es wird vom „Zwischenlager“ gesprochen. Zwischenlager bis man heraus gefunden hat wie sich Atommüll von selbst auflöst und während des Auflösungsprozesses das CO2 aus der Luft aufsaugt. Nein, im Ernst, ein Endlager müsste unter Tage geschaffen werden, jedoch auch nicht zu tief, da es zu heiß werden kann. Des Weiteren müsste dieses Endlager für Millionen von Jahren wasserdicht sein und eine Rückholmöglichkeit der Behälter muss (sogar gesetzlich) bis 500 Jahre nach Verschluss der Behälter gegeben sein. Und noch etwas: wie markieren wir (also, wir die Menschheit), dass an dieser Stelle ein „Endlager“ ist. Das muss eine Markierung sein, welche Millionen von Jahren haltbar und sichtbar ist. Ein Bauwerk?
Die Verwendung von Atomenergie fördert gleichzeitig die Proliferation von atomaren Massenvernichtungswaffen. Neben der Verwendung des radioaktiven Materials zur Erzeugung von Energie wird an einer Weiterentwicklung von Atomwaffen gearbeitet und die Technologie weiter verbreitet. Die militärische und zivile Nutzung ist kaum zu trennen, da im Verborgenen des Atomkraftwerkes nur schwer eine flächendeckende Kontrolle stattfinden kann. Es gibt zwar den Atomwaffensperrvertrag, welcher ein Verbot der Verbreitung und eine Verpflichtung zur Abrüstung von Kernwaffen beschreibt, jedoch ist der längst nicht von allen atomaren Mächten unterzeichnet (zB: Israel, Pakistan, Nordkorea).
Noch ein weiteres Argument abschließend, welches mir Wolfgang Pekny einmal erklärt hat. Für all jene die das Europa 2020 Ziel mit Atomkraft erreichen wollen. The Triple 7: Sieben Jahre für die Planung, sieben Jahre für den Bau und sieben Jahre Stromerzeugung bis sich Planung und Bau wieder energetisch amortisiert haben. Ja, jetzt rechne mal nach.
Abschließend muss ich noch die millionenschwere Atomlobby erwähnen. Wahrscheinlich ist das nicht einmal 1/10 der Probleme mit der Atomkraft die wir haben, weil wir vom Rest nicht einmal etwas wissen…
Ok, jetzt will ich doch nicht so negativ aufhören. Wie schon am Anfang gesagt ist es möglich Atomkraftwerke abzuschalten, wenn wir uns ein bisschen einschränken. Wirklich nur ein bisschen und dafür jeder! Wie wärs?
Zum Projekt: Im Jänner 2012 wird das “Global Feedback Netzwerk” SLASH gestartet, welches BüroX initiiert hat und mit SERI durchführt. Damit wird der Einzelne “visuell” erfahren, dass wir alle gemeinsam mit kleinsten Maßnahmen Großes erreichen können. In der ersten Phase werden wir den Beweis antreten, binnen weniger Wochen ein AKW in der Größenordnung von Mühleberg in der Schweiz (oder Temelin in Tschechien) einsparen können. Das Globale Feedback Netzwerk SLASH verwandelt auf diese Weise unser Gefühl von Ohnmacht in eine “Grüne Revolution”.
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